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Praxisbuch Kasualien Drucken E-Mail

Matthias Schmidt, Hg., Active Image
JOTA Publikationen und edition ForumWiedenest,
196 S.
14,95 €

Kasualien, wo liegt denn das, fragt mein 13-järiger. Es klingt ein wenig wie Tasmanien, meint aber etwas ganz anderes. Es meint die Sonderfälle der Verkündigung, vor allem Taufe, Trauung und Beerdigung, ferner auch Kindersegnung, die in manchen Gemeinden zur gängigen Praxis geworden ist. Diese Sonderfälle stellen eine besondere Herausforderung an den Verkündiger dar. Es geht nicht nur um das gesprochene Wort, sondern auch um eine Handlung. Der Akteur ist häufig Verkündiger und Moderator gleichzeitig. Oft sind Gäste da, die man sonst selten sieht und überhaupt sind solche Veranstaltungen dicht am Wasser gebaut. Da wird es höchste Zeit für ein Praxisbuch, nicht in erster Linie für die Hauptberuflichen, für die sicher auch, sondern hauptsächlich für diejenigen, die neben ihrem Beruf Verkündigungsdienste wahrnehmen und denen ein gewisses Grummeln im Bauch kündet, dass sie möglicherweise einmal ganz plötzlich in die Verlegenheit kommen könnten, eine Beerdigung halten zu müssen. Das Buch mit knapp zweihundert Seiten ist kurzweilig geschrieben. Kurze Abschnitte, zudem in recht großen Lettern gedruckt, deuten an, dass ein Gemeindeältester es auch dann noch gut lesen kann, wenn er abends nicht mehr ganz frisch aus der Firma nach Hause gekommen ist. Die Verfasser sind mit der Gemeindepraxis und dem Kontext unserer Brüdergemeinden vertraut. Sie verweisen auf die Chancen, die Kasualien als Riten in unserer postmodernen Kultur haben, sie machen gleichzeitig deutlich, dass diese Sonderfälle aber gerade nicht zum bloßen Ritus verkommen dürfen, sondern dass die Echtheit der Mitwirkenden gefragt ist. Es kommt darauf an, „den Glauben öffentlich nachvollziebar zu bezeugen.“ Dieses Buch weist auf falsche Denkweisen hin, etwa die Vorstellung, dass der bloße Ritus, etwa die Segnung des Kindes, etwas bewirke, es macht aber vielmehr Mut, die „heilvolle Zuwendung Gottes in Christus“ zur Grundlage jeder Verkündigung zu machen. Positiv fällt auch auf, dass die Verfasser für alle Amtshandlungen kurz, trotzdem tiefgründig, die biblische Grundlage erläutern. Das gesamte Buch ist praxisbezogen. Die Autoren schreiben z.B. darüber, was im Vorfeld einer Kindersegnung oder einer Beerdigung zu klären ist, sie schlagen z.B. interessante Fragen vor, die im Vorbereitungsgespräch einer Trauung mit dem Brautpaar besprochen werden können, sie geben Hinweise zu Taufkleidung oder zum Fotografieren am Taufbecken. Dieses Büchlein lohnt zu lesen. Es bringt zum Nachdenken über die bisher erlebte Praxis, es gibt Anregungen oder auch Korrekturen für die Zukunft und es bietet einen Leitfaden für den, der eben gefragt wurde, ob er eine Trauung durchführen würde.