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Rückblicke in die Geschichte Drucken E-Mail

Eigentlich wollte er ein Ingenieurstudium beginnen, aber der Staat zeigte ihm die kalte Schulter.
So besuchte Werner Walter 1970 die Bibelschule.
Heute ist er Ältester in der EFG Limbach - Oberfrohna.


Erfahrungen eines Bibelschülers aus dem jahr 1970

Erweckung in Deutschland
Die Nachkriegsjahre brachten eine geistliche Erweckung unter den Jugendlichen. Damit einher ging eine Suche nach Weiterführung im Glauben. Es gab Jugendbibelwochen, Jugendbibelkurse und die Rüstwoche in Leipzig - heute Leipziger Seminarwoche genannt - wurde ins Leben gerufen. Für eine intensivere Ausbildung konnten Männer aus Ostdeutschland die Bibelschule Wiedenest oder das Predigerseminar der Baptistengemeinden in Hamburg besuchen. Doch hier schob die DDR - Regierung einen Riegel vor. Nach zähem Ringen konnte 1960 der erste Bibelschulkurs in Burgstädt stattfinden.

Die Bibelschule beginnt
Ich erinnere ich mich noch gut an die Zeit, als die ersten Burgstädter Bibelschüler nach Limbach-Oberfrohna in unsere Gemeinde kamen. Sie waren sehr gern gesehene Gäste. Unser Gemeindeleiter unterhielt sehr enge Kontakte zur 10 Kilometer entfernten Bibelschule. So oft es sich einrichten ließ, wurden die Teilnehmer von ihm nach Limbach eingeladen und auch abgeholt. Dadurch kam ich mit der Bibelschule in Kontakt.

Abgelehnt – was nun?
1969 wurde mein Wunsch abgelehnt ein Ingenieurstudium zu beginnen. Das lag daran, dass ich als Christ den Wehrdienst verweigert hatte. Der Staat, die damalige DDR, zeigte mir die kalte Schulter. Das war der Anlass für mich persönlich über die Bibelschule nachzudenken. Ich bewarb mich für den Lehrgang ab Januar 1970. Um beginnen zu können, benötigte ich eine mehrmonatige Freistellung von meiner Arbeitsstelle. Diese war aber in dem volkseigenen Betrieb, in dem ich arbeitete, so gut wie unmöglich zu bekommen. Ich entschied mich zu gehen, ob mit oder ohne Freistellung. Auch auf die Gefahr hin, dass man mir kündigen würde. Später habe ich erfahren, dass ein Kollege bei der Betriebsleitung für mich vorgesprochen hatte. Er war Christ und genoss wegen seiner fachlichen Kompetenz ein hohes Ansehen im Betrieb. Daraufhin hat man mich dann für 2 Monate freigestellt. Das war ein wahres Wunder in dieser atheistischen und antichristlichen Gesellschaftsordnung!

Unser Schülerleben
Ich möchte die segensreiche Zeit an der Bibelschule unter keinen Umständen missen. Wir waren 17 Teilnehmer. Unterrichtet wurden Fächer wie Homiletik, Apologetik, Eschatologie, Liturgie, Biblische Archäologie, Seelsorge, natürlich auch Bibelkunde im Alten und Neuen Testament. Damit wurden uns wichtige Grundlagen vermittelt für mein Leben als Christ und in der Mitarbeit der Gemeinde. Mancher der Bibelschüler von damals hat in Burgstädt Anstöße bekommen, die sich noch heute zeigen. Wertvoll war auch das Angebot von Seelsorge durch die Lehrer während des Lehrgangs. Das prägte tief.

Die Unterbringung war teils im Image Gemeindehaus, teils außer Haus bei Geschwistern der Gemeinde und für einige in einer Baracke auf dem Gemeindegrundstück. Als junge Leute hatten wir bei all dem Lernstoff auch viel Abwechslung und so manchen Spaß.
Das Haus war klein und bescheiden. In einer kleinen Bibliothek gab es überwiegend antiquarische Bücher, aber auch einige wenige Exemplare von Lizenzausgaben aus dem Westen, beispielsweise die Reihe der Wuppertaler Studienbibel zum Neuen Testament. Die Geschwister der Burgstädter Gemeinde haben mit ihrer Entscheidung, die Bibelschule in ihrem Haus aufzunehmen, manche Einschränkungen in Kauf genommen, doch sie wurden zum Segen für andere Gemeinden in der ehemaligen DDR.
In den späteren Jahren wurde die Dauer der Lehrgänge an der Bibelschule auf ein volles Jahr erweitert. Auch das Ausbildungskonzept änderte sich mit der Zeit. Zu den Hauptlehrgängen wurden jedes Jahr Kurzlehrgänge von der Dauer einer Woche angeboten. Daran nahm unter anderem meine Frau teil. Für uns beide haben die Kurse einen hohen persönlichen und geistlichen Gewinn gebracht. Wir profitieren noch heute von den Impulsen, die wir dort gewonnen haben. Es ist ein Geschenk unseres Herrn, das die Bibelschule durch Zeiten der eingeschränkten Freiheit und staatlichen Regulierung durch die SED-Diktatur, in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung und bis heute besteht.